Zeit für die Energiewende - 10 Mythen
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Politikfelder - Energie
Geschrieben von: Stefan Schwan   

Atomkraft ist billig, sicher und belastet die Atmosphäre nicht mit schädlichem CO2, ohne Atomkraft gehen in Deutschland die Lichter aus, angesichts des Klimawandels können wir schon gar nicht nicht auf Atomkraft verzichten. So haben es uns die Stromkonzerne Jahre lang glauben machen wollen. Doch seit dem Zwischenfall in Krümmel ist alles anders. Die Mythen der Stromkonzerne brechen einer nach der anderen zusammen. Höchste Zeit, mit einigen dieser Mythen endgültig aufzuräumen:



Mythos Nr 1: Die deutschen AKW sind sicher.
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Krümmel zeigt einmal mehr: Die Atomkraftwerke sind nur so sicher wie ihre Betreiber! Die Vorgänge im Kraftwerk Krümmel waren zwar keine technische Katastrophe, das Agieren von Vattenfall ist aber ein menschlicher Super-Gau. Selbst wenn sich alle Risiken der Atomenergie kontrollieren ließen: Das Risko, dass Menschen in unverantortlicher Art und Weise für den eigenen Profit handeln, geltendes Recht umgehen, Vorschriften missachten und die Gefahren ihres eigenen Handelns einfach ignorieren, lässt sich nur mühsam begrenzen. Nach den Vorgängen der letzten Woche kann eigentlich keiner mehr behauptet, man könne den Kraftwerksbetreibern in diesen Punkten trauen. Übrigens, es geht hier nicht nur um den schwedischen Betreiber Vattenfall, auch E.ON ist an Krümmel beteiligt.

Mythos Nr. 2: Der Ausbau der erneuerbaren Energien führt in absehbarer Zeit zu einer Stromlücke.

Die Stromkonzerne schüren die Angst davor, dass durch den Ausbau alternativer Energien irgendwann die Lichter ausgehen, es entstünde eine sogenannte Stromlücke. Gerade im Moment fließt jedoch so wenig Atomstrom aus bundesdeutschen Steckdosen wie schon seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Bedingt durch die Notabschaltung des AKW Krümmel und durch Wartungsarbeiten an zahlreichen anderen deutschen AKW liefern die deutschen AKW nicht einmal mehr 50% der möglichen leistung. Ist bei Ihnen zuhause deshalb schon das Licht ausgegangen? Wohl kaum, denn bereits 2007 liefen nur 10 der 17 deutschen AKW, gemerkt hat davon niemand etwas. Im Gegenteil: Auch 2007 wurde noch Strom in einer Größenordung der Leistung von 4-5 Kraftwerken exportiert.

Mythos Nr 3: Die deutschen AKW sind auf dem neusten Stand der Technik.

Unter den deutschen Reaktoren gibt es etliche alte Schrottreaktoren, die nach heutigem Stand gar nicht mehr genehmigungsfähig wären. Krümmel ist einer davon. Wir können im Moment vielleicht noch nicht alle AKW auf einmal abschalten - aber davon redet ja auch niemand. Im rot-grünen Atomkompromiss wurden Restlaufzeiten bis 2020 vereinbart. Aber die Stromkonzerne haben im Atomkompromiss aus reiner Profitgier durchgesetzt, gerade alte, gefährlichere, bereits abgeschriebene Reaktoren weiterlaufen zu lassen. Höchte Zeit, diese Volksgefährdung zu korrigieren. Krümmel kann ohne Probleme für die Energieversorgung ausgeschaltet bleiben. Es sollten möglichst bald weitere der alten Schrottreaktioren folgen.

Mythos Nr 4: Atomkraftwerke dienen zusammen mit Kohlekraftwerken zur
Sicherung der Grundlast.

In der Tat rentieren sich Atomkraftwerke nur, wenn sie permanent laufen, Grundlast nennen die Kraftwerksbetreiber das euphemistisch. Für flexible, schwankende Stromverbräuche sind Großkraftwerke ungeeignet. Die Zunahme von alternativen Energien im Stommix ist deshalb eine Bedrohung für konventionelle Kraftwerke, denn die Schwankungsbreiten von Sonne- und Windenergie im Stromnetz vertragen sich nicht gut mit der Grundlast. Wenn der Anteil erneuerbarer Energien gesteigert werden soll, muss das Stromnetz flexibel gesteuert werden. Diesen ohnhin nötigen Umbau des Stromnetzes schieben die Kraftwerksbetreiber aber seit Jahren vor sich her. Für den Umbau der Stromnetze sind die Atomkraftwerke ein Klotz am Bein. Sie bremsen nicht nur den Umbau des Netzes sondern auch den Ausbau der erneuerbaren Energien massiv.

Mythos Nr. 5: Meistens scheint die Sonne, wenn man wenig Strom braucht -
sagt doch der gesunde Menschenverstand.

Natürlich scheint die Sonne nicht nachts. Aber ist es wirklich so, dass es keine erneuerbare Energie gibt, wenn die Sonne nicht scheint oder kein Wind weht? In der Tat ist es nicht kalkulierbar, wann das einzelne Windrad oder die einzelne Photovoltaikanlage Strom produziert. In ihrer Summe und erst recht im Verbund mit anderen alternativen Energien wie Biomasse oder Geothermie erzielen alternative Energien eine ebenso sichere Leistung wie koventionelle Kraftwerke. Das geben selbst die Energiekonzerne zu. Vereinfacht ausgedrückt: Wenn der Wind nicht weht, scheint die Sonne und unmgekehrt und für alle anderen Fälle haben wir auch noch Wasserkraft, Biomasse und Geothermie oder auch Pumpspeicherkraftwerke, die Energie aus Solaranlagen oder Windenergie speichern. Für mehr Versorgungssicherheit müssen die alternativen Energien sogar noch mehr ausgebaut werden.

Mythos Nr 6: Alternative Energien sind eine Bedrohung für die Sicherheit unserer Energieverorgung.

Davor, dass wir mit alternativen Energien im Dunkeln stehen, braucht keiner Angst zu haben. Allerdings stellen alternative Energien eine Bedrohung für die sehr lukrative traditionelle Grundlastversorgung durch Kohle und Kernkraft dar, denn diese kann in weiten Teilen durch erneuerbare Energien ersetzt werden, ohne dass die Energiekonzerne direkten Zugriff auf die neuen, erneuerbaren Energien erhalten. Konkurrenz durch andere Energieträger sollte man sich aus Sicht der Kraftwerksbetreiber möglichst vom Halse halten. Oder wie es der Geschäftsführer der deutschen Umwelthife Baake ausdrückte: „RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW wollen die Strukturen erhalten, die sie reich gemacht haben und die ihre Macht dauerhaft sichern“. Das Kartellverfahren der EU gegen E.ON belegt dies nur zu gut. Es ist Zeit, E.ON dafür die rote Karte zu zeigen und wie viele andere Bundesbürger zu wechseln!

Mythos Nr 7: Atomenergie ist billiger als alternative Energie.

Die typischen Energieträger großer Energieunternehmen sind Atom und Kohle. Beide Energieträger sind seit Jahrzehnten extrem hoch subventioniert. Ein lukratives Geschäft, in dem die Stomkonzerne beim Bürger gleich zwei Mal abkassieren, bei den Subventionen, die aus Steuern finanziert werden und bei den Preisen, die, wie wir inzwischen gelernt haben, durch Kartelle künstlich hoch gehalten werden. Durch eine ausgeklügelte Propaganda werden dann zusätzlich auch noch alternative Energien diskreditiert. In der Tat werden die erneuerbaren Energien durch das Erneuerbare Energiengesetz gefördert, allerdings mit einem Bruchteil der Summen, die bereits in die "Förderung" von Atomstrom und Kohlestrom geflossen sind.

Mythos Nr 8: Atommüll läßt sich lagern.

Zwar bildet die Atomindustrie Rückstellungen für die Endlagerung, ob die Rückstellungen ausreichen, um die unkalkulierbaren zukünftigen Kosten, die mitunter erst in einigen hundert Jahren auf uns zukommen, zu bezahlen, ist mehr als fraglich. Das lediglich für schwach radioaktiven Abfall bestimmte Lager Asse II galt als sicher und ist jetzt nicht etwa 40.000 Jahre alt, sondern gerade einmal 40 geworden. Die Sanierungskosten werden mit ca. 2,5 Milliarden Euro Steuergeldern veranschlagt und lassen nur erahnen, was eine ähnliches Sanierung eines Atommüllendlagers den Steuerzahler kosten würde. Es gibt keine sichere und schon gar keine billige Endlagerung.

Mythos Nr 9: Einen Rest Atom- und Kohlestrom brauchen wir doch immer für unsere nationale Versorgungssicherheit.

Uran wird zu 100% importiert, auch in Kohlekraftwerken wird kaum noch heimische Kohle verfeuert. Erneuerbarte Energien kommen hingegen zum überwiegenden Teil aus heimischer Erzeugung oder - wie im Fall der Wasserkraft - aus sicheren Lieferländern. Um zu sehen, wie sicher die Versorgung mit Uran und Kohle ist, reicht ein Blick auf die Karte der Lieferländern. Einen besonders vertrauenerweckenden Eindruck macht diese Liste nicht. Solarkollektoren und Windräder mögen manchen stören, aber eines ist sicher: Die Energie ist sicher von hier!

Mythos Nr. 10: Ökostrom ist teuer

Haben Sie schon einmal die Preise eines konventionellen Stromanbieters mit den Preisen von Ökostrom verglichen? Dann wird es Zeit! Gegenüber EON und anderen Großunternehmen sparen Sie sagar häufig. Ökostromanbieter verzeichenen inzwischen zwei bis drei Mal mehr Kundenneuanträge pro Tag als noch vor wenigen Wochen. Offensichtlich haben die Stromkunden viel schneller verstanden als die Politik: Es ist Zeit für die Energiewende, es ist Zeit für den Wechsel.

Mehr Informationen zum Wechsel?

http://www.fipsi-institut.de/wechselwelle/machmit.htm

http://stromwechsel-jetzt.de/

http://www.atomausstieg-selber-machen.de/

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 29. Juli 2009 um 09:40 Uhr
 

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